Montag, 19. August 2019

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Zwei Geistliche Konzerte mit FRECHBLECH

GEMÜNDEN / MONTABAUR. Zu einem geistlichen Konzert mit ernster Musik und Lesungen zum Ewigkeitssonntag laden FRECHBLECH als das Soloquintett des Evangelischen Dekanates Westerwald und der Organist Martin Löw aus Goddert gemeinsam am Samstag, 24.11. um 18.00 Uhr in die Evangelische Stiftskirche Gemünden und am Sonntag, 25.11. um 18.30 Uhr in die Evangelische Pauluskirche Montabaur ein.

Auf dem Programm stehen unterschiedliche Kompositionen von Jan Pieterszoon Sweelinck, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Johann Bach, Johann Kuhnau, Léon Boëllmann sowie Joseph Gabriel Rheinberger, die sich mit menschlichem Leiden und Sterben sowie mit der Antwort des Evangeliums darauf auseinandersetzen.

Gegliedert werden diese kontrastreichen polyphonen Motetten durch Choralbearbeitungen und Gemeindegesang an der jeweiligen Denkmalorgel aus der Werkstatt von Johann Wilhelm Schöler und Georg Friedrich Wagner. Die Gesamtleitung hat Dekanatskantor Jens Schawaller inne, der Eintritt ist jeweils frei.

Sankt Martin – Erinnerung an einen großen Heiligen…

Von Hans-Peter Meyer

Trotz feuchter Kälte ziehen in diesen Tagen wieder Kinderscharen mit leuchtenden Laternen und eben solchen Augen singend durch die Straßen. Sicherlich haben sich schon viele gefragt woher diese Tradition der Martinszüge wohl kommen mag. Oder ob, und wenn ja welche, es noch weitere althergebrachte Bräuche an Sankt Martin gibt.

Am Martinstag erinnern wir an den Heiligen Martin von Tours. Er wurde Anfang des vierten Jahrhunderts in Ungarn, in dem damals zum römischen Weltreich gehörenden Sabaria geboren. Während seiner Zeit als römischer Legionär nahm er den christlichen Glauben an. Später wurde er Mönch und im Jahre 372 n. Chr. Bischof von Tours. Er verstarb 397 in Candes. Seine Berühmtheit verdankt er folgender Legende:

Es war in einer sehr kalten Nacht. Überall lag hoher Schnee und Eiszapfen hingen von den Bäumen. Der römische Soldat Martin ritt auf seinem Pferde an einen vor Kälte zitternden Bettler heran. Der arme Mann saß im Schnee und hatte keine warme Kleidung. Der Bettler sah zu Martin auf und flehte um Hilfe. Voll von Mitleid teilte Sankt Martin mit seinem Schwert seinen wärmenden Umhang. Die eine Hälfte überließ Martin dem armen frierenden Mann und rettete ihn damit vor dem Tod. Als der Bettler sich bedanken wollte, ritt Martin mit seinem Teil des Umhangs davon.

In alter Zeit hatte der Martini eine sehr hohe Bedeutung und von den etlichen Traditionen haben einige bis in unsere Zeit hinein überlebt. Am elften November endete im Mittelalter das bäuerliche Arbeitsjahr. So wurden die Ernteerträge verkauft und mit den Erlösen der jährliche Pachtzins gezahlt. Es wurde Saatgut für das nächste Jahr und neues Vieh auf den Märkten erstanden. Auf den Schlachtfesten gab es ein fröhliches Feiern, das wir heute noch in der traditionellen Martinsgans oder den Martinswecken, Stutenkerlen und Martinsbrezel  wiederfinden.

Es begann auch die 40tägige Vorweihnachtliche Fastenzeit, an die der heutige Karnevalsbeginn allerdings nur noch sehr schwach zu erinnern vermag.

Die bei uns sehr beliebten Martinsumzüge mit Laternen, großem Martinsfeuer und hoch zu Ross reitenden Sankt Martin finden jedoch erst seit vergleichsweise geringer Zeit statt. Sie haben ihren Ursprung im späten neunzehnten Jahrhundert und verbreiteten sich vom Rheinland aus. Als Höhepunkt der Umzüge wird die Legende des Sankt Martins nachgestellt.

Das Erlebnis eines lodernden Feuers und die leuchtenden Laternen zu einer langen Kette in der Dunkelheit aufgereiht ist für Kinder immer wieder etwas ganz Besonderes.

©  Hans-Peter Meyer

43. Geistliche Abendmusik

MONTABAUR. „Gegensätze ziehen sich an“, so sagt schon der Volksmund; und in der Tat war diese Weisheit eine konzeptstiftende Grundlage für das äußerst kontrastreiche Konzert mit Susanne Schawaller an der Weigleorgel, Dietmar Wengenroth an der Hoch-B-Trompete und Dekanatskantor Jens Schawaller am Truhenpositiv in der Evangelischen Lutherkirche Montabaur.

Gemeinsam luden die Musikerin und die beiden Musiker zu klanglichen Gegenpolen zwischen Zeit und Klang in die moderne Kirche in der Wäller Kreisstadt ein. Dabei ließ Susanne Schawaller das neobarocke Instrument in der Lutherkirche mit virtuos-solistischen Orgelwerken Max Regers aus op. 59 ganz in hochromantischer Manier erklingen: durch geschicktes Registrieren, lebendige Agogik und eine ausgezeichnet Technik in Manual und Pedal überzeugte sie in der gewichtigen Toccata, der melismierenden Melodia und dem motettisch-imitativen Benedictus.

Max Reger nimmt dabei formalen Bezug auf protestantische Formen der Orgelkunst Dietrich Buxtehudes und Johann Sebastian Bachs und gießt seine Kompositionen in ein hochromantisch-polyphones Klanggewand. Dem gegenüber standen die barocken Werke von Giovanni Bonaventura Viviani, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann, die Dietmar Wengenroth in der ihm zueignen Leichtigkeit, Spielfreude und Präzision zum munteren Leben erweckte. Mit dem überbordenden Obertonreichtum seines Trompetenspiels musizierte der Berufstrompeter Konzerte und Arien, die in sich als differenziert-divergierende Satzfolgen angelegt sind und so abwechslungsreich auf einander Bezug nehmen.

Beide Solisten zelebrierten bestens historisch informiert und professionell in jeder Hinsicht in gegensätzlichen Stilen auf ihrem jeweiligen Instrument und nahmen ihre Gäste durch den Charme ihrer Musik gefangen. Dekanatskantor Jens Schawaller begleitete den Solotrompeter Dietmar Wengenroth als erfahrener Generalbassspezialist am Truhenpositiv, was den beiden Musikern die Möglichkeit zu einem kommunikativen-dialogischen Musizieren eröffnete – ein musikalisches Zwiegespräch in kammermusikalischster Art und Weise.

Auch führte er als Moderator durch den Abend und begleitet alle Anwesenden von Werk zu Werk. Mit einem lang anhaltenden Applaus bedankten und verabschiedeten sich die vielen Zuhörerinnen und Zuhörer von den drei Musizierenden des Konzertabends.

Ludwig van Beethoven

Konzert im Rahmen der Landeskunstschau 2018 "flux4art" im Museum Boppard -   Samstag, 10. November 2018, 19 Uhr

Tomoko Ichimura (Klavier) und Ernst Triner (Violine)

Programm:

Sonate F-Dur op. 24 „Frühlingssonate“
Allegro
Adagio molto espressivo
Scherzo: Allegro molto
Rondo: Allegro ma non troppo

Sonate c-Moll op. 30/2
Allegro con brio
Adagio cantabile
Scherzo: Allegro
Finale: Allegro

Pause

Sonate G-Dur op. 96
Allegro moderato
Adagio espressivo
Scherzo: Allegro
Poco Allegretto

Tomoko Ichimura – Klavier
geboren in Kawasaki/Japan, studierte die Fächer Klavier, Klavier-Kammermusik und Lehramt an der Musikhochschule Toho in Tokyo. Die Teilnahme an nationalen Klavierwettbewerben brachte ihr zahlreiche Preise.
Von der Rotary Stiftung erhielt sie ein Stipendium und erwarb 1994 bei Professor Gerhard Oppitz das Meisterklassendiplom mit Auszeichnung an der Hochschule für Musik in München. Meisterkurse bei Professor Hugo Steurer und bei Professor Andrej Jasinksi an der Internationalen Sommerakademie Mozarteum in Salzburg ergänzten ihre Ausbildung. Zur weiteren künstlerischen Vertiefung erhielt Tomoko Ichimura außerdem Unterricht bei Halina Czerny-Stefanska sowie bei Maria Joao Pires.
Neben ihrer Tätigkeit als Dozentin gab sie zahlreiche Solo- und Kammermusikkonzerte im In- und Ausland: z. B. 2002 als Solistin in dem von Maria Joao Pires gegründeten Kulturzentrum „Belgais“ in Portugal, wo ihre Interpretationen der Solo-Werke von Franz Schubert hohe Anerkennung fanden.
Auch in ihrer Heimat Japan konzertierte die Pianistin regelmäßig, so z. B. beim Musikfestival „La FolleJournée au Japon“ in Tokyo (2005) und als Solistin des 5. Klavierkonzertes von Ludwig van Beethoven mit dem Symphonieorchester „Great Artists in Japan“ (2006). Zum 180. Todesjahr von Franz Schubert im Jahre 2008 begann sie einen „Schubert-Zyklus“ mit jährlichen Konzerten in Tokyo, den sie im Oktober 2014 mit großem Erfolg abschloss.
Neben ihrer Solotätigkeit gründete Ichimura 2012 mit drei japanischen Pianistinnen das „ARTIS Piano Ensemble“, ein Klavier-Ensemble zu acht Händen. Im Frühjahr 2013 ging dieses auf Deutschland-Tournee, mit großen Erfolgen in München, Mainz und Frankfurt.

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Einkehr im November – Eine nachdenkliche Betrachtung zum Herbstmonat

Von Hans-Peter Meyer

Er beginnt wieder -  der Monat November mit seinen zum Nachdenken und zur inneren Einkehr anregenden Feier- und Gedenktagen Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Totensonntag. Dieser Monat hat ein ganz besonderes Gepräge und bestimmt unsere Empfindungen und Gefühle in besonderem Maße.

Der November ist dazu angetan, Gedanken der Wehmut und Trauer zu wecken. Die Blätter fallen von den Bäumen, die Natur scheint abzusterben. Am späten Nachmittag senkt sich schon das Dunkel über die Landschaft. Der Wind fegt durch die leeren Straßen….

Im November trauern wir mehr als sonst um liebe Menschen und denken an die Zeit, als wir sie noch bei uns hatten. Wir gehen zu den Gräbern auf die Friedhöfe, zünden entsprechend der Sitte unserer keltischen Vorfahren kleine Lichter an und vieles wird plötzlich wieder gegenwärtig. Kein anderer Monat des Jahres ist so geeignet in uns diese Nachdenklichkeit zu wecken, wie dieser nasse, neblige und windige Monat. An langen Abenden werden Schubladen und Schatullen geöffnet. Wir greifen zu Briefen aus vergilbten Umschlägen. Dann werden wir unruhiger, unsere Gedanken flüchten zu den Dingen, aus denen die Dahingegangenen lauter zu uns sprechen als aus Grab und Stein.

Das Grün und die Blüten der Gräber erinnern trostreich an die Menschen, die nicht mehr unter uns sind. Zwiegespräche halten wir mit Bildern, aus denen  uns alte und junge Augenpaare ansehen, ernste und auch lachende. Sie blicken beredt auf unser Alltagsleben. Letzte Stunden und Gespräche kommen in Erinnerung, kleine Gesten der Liebe und Zärtlichkeit. Viele Einzelheiten sind ins Gedächtnis eingebrannt, denn liebe Tote kann man nicht vergessen. Wehmut beschleicht uns, weil uns nicht mehr mit den Toten verbindet als die Erinnerung. Im Laufe des Lebens wird jeder Mensch mit dem Tod konfrontiert – durch den Verlust von Angehörigen und Freunden oder weil eine schwere Krankheit die eigene Sterblichkeit unmittelbar vor Augen führt. Friedhofsbesuche, Grabpflege und Rituale an Trauertagen, wie zum Beispiel an Allerheiligen oder am Totensonntag, können bei der Trauerbewältigung hilfreich sein.  Der Schmerz wird dann leichter, unser Leben ist durch den Alltag mit neuen Aufgaben erfüllt.

Doch wer könnte einen Bruder, eine Schwester vergessen, einen Sohn oder eine Tochter, einen Ehemann oder die Ehefrau, einen Vater, die Mutter, einen vertrauensvollen Freund oder eine Freundin, die so zu unserem Leben gehörten, wie der Wechsel von Tag und Nacht? Wie sollte man aber weiterleben, wenn man nicht vergessen kann? Unsere Erinnerung darf uns nicht so gefangen nehmen, dass wir uns der Gegenwart und dem „Heute“ nicht mehr zu stellen vermögen. Es ist das ewige Gesetz der Natur: Werden, Vergehen und Werden. Das Große stirbt und das Kleine wächst nach.

Ehrfurcht, Achtung und Respekt vor den Toten sind so alt wie die Welt. Im christlichen Glauben wurzelt aber darüber hinaus die Hoffnung auf das, was uns erwartet, wenn auch wir die letzte Grenze überschritten haben. Niemand geht von uns, er geht nur voraus. Die Gedenktage im November fordern uns zur Selbstbesinnung auf. Stellen wir uns dem Schmerz, weil er notwendig ist, aber verharren wir nicht in ihm.

© Hans-Peter Meyer

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