Samstag, 26. Mai 2018

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Vor 72 Jahren: Beim Bombenangriff im Bunker verschüttet

Ein Tag, den die Niederadenauer nicht vergessen werden

Von Hans-Peter Meyer

Niederadenau/Bad Ems.  Jedes Jahr zu Beginn des Monats Februar kommen insbesondere bei den älteren Menschen von Niederadenau die Erinnerungen zurück: Ein schwarzer Tag in der Geschichte der Niederadenauer ist der 2. Februar 1945.

An diesem Tag, der sich nun zum 72. Male jährt, starben acht Menschen - darunter drei Kinder im Alter zwischen sieben und elf Jahren - durch einen Bombenangriff.

Obwohl es im zweiten Weltkrieg in Niederadenau keine direkten Angriffsziele für die feindlichen Bomber gab, hatten die Bewohner vorsorglich in den Berg über dem heutigen „Tannenweg“ einen Schutzbunker gebaut. Ihn suchten die Bürger des Ortes immer dann auf, wenn man in der Luft „bedrohliche“ Fliegergeräusche hörte und Flugzeuge im Anflug schienen. Allerdings waren in den letzten Kriegstagen sehr viele Soldaten in Niederadenau untergebracht. So waren dann auch am 2. Februar 1945 schon zeitig morgens die feindlichen Bomber in der Luft zu hören, und ein großer Teil der Bevölkerung suchte Schutz im Bunker. Gegen zehn Uhr eröffneten feindliche Flieger mit Bordwaffengeschützen das Feuer und setzten einige Häuser und Scheunen in Brand, so dass besonders Männer den Schutzbunker verließen, um zu retten, was noch zu retten war.

Durch einen weiteren Bordwaffenschuss wurde dabei ein 49-jähriger Mann - verheiratet und Vater von fünf Kindern - so schwer verletzt, dass er am nächsten Morgen nach einer Operation im Adenauer Krankenhaus verstarb. Gegen 12.30 Uhr, als sich die meisten Bürger um ihr Hab und Gut im Dorf kümmerten, fielen drei Bomben hinter dem heutigen „Tannenweg“, und eine Bombe detonierte genau vor dem Eingang zum Bunker, wodurch dieser verschüttet wurde. Sofort eilten Mitbürger aus dem Ort zum Bunker, doch konnten nur noch zwei Menschen, Franz Kossmann und dessen Tochter Elisabeth (später verheiratete Meyer), lebend gerettet werden. Für die übrigen kam jede Hilfe zu spät. Im Bunker starben zwei Soldaten, drei Kinder (Werner Ginsterblum, elf Jahre alt; Erwin Schooß, sieben Jahre, und Arthur Hollender, ebenfalls sieben Jahre alt), Gertrud Kossmann und Elisabeth Kaas geb. Merten, einziges Kind ihrer Eltern und gerade seit neun Monaten verheiratet, ihr Ehemann als Soldat an der Kriegsfront.

Das Dorf war wie gelähmt. Hier und da brannte es lichterloh, und dazu dann der Tod von insgesamt acht Menschen. Noch heute sagen die Bürger, das Leid wäre noch unermesslich größer gewesen, hätten nicht die meisten Bürger den Bunker wegen der Brände im Ort morgens verlassen, denn zunächst waren etwa 40 Niederadenauer in den Bunker geeilt, von denen sicherlich noch viele mehr ums Leben gekommen wären. Aber auch so bescherte der 2. Februar 1945 dem Ort Niederadenau große Trauer und unsägliches Leid.

Noch heute sieht man die Mulde des Bombeneinschlags, dort errichtete nach dem Krieg der Niederadenauer Mitbürger Matthias Ginsterblum einen Muttergottes-Bildstock mit den Namen all derer, die an diesem Tag auf so schreckliche Weise ums Leben kamen. Und auch heute nach genau zweiundsiebzig Jahren ist diese stille Gedenkstätte immer mit brennenden Kerzen und Blumen geschmückt. Der Gärtner und Gastwirt Reinhold Ginsterblum, dessen Bruder Werner bei dem Bombenangriff  im Alter von 11 Jahren sein Leben verlor, hat sich viele Jahrzehnte mit großem Engagement um die Pflege des Bildstocks und auch um die Gemeinschaftsgrabstätte der gemeinsam auf dem Friedhof in Dümpelfeld beigesetzten Opfer gekümmert hat, ist im vergangenen Jahr im Alter von 88 Jahren verstorben.  

Wer von uns heute Lebenden weiß wirklich , was Krieg heißt, wer kennt noch die Menschen, deren Namen auf den Gedenktafeln eingraviert sind? Namen und Schicksale verblassen vielleicht im Laufe der  Jahrzehnte. Im Bewusstsein der nachfolgenden Generationen sollte das Erinnern an diese bitteren Zeiten als eine Verpflichtung  gelebt werden. Wir dürfen und wollen nicht vergessen, deshalb sollten wir uns immer wieder erinnern und der Opfer gedenken.

Zur Erinnerung an diesen Tag vor 72 Jahren bleibt als Fazit: Die Toten mahnen uns täglich zum Frieden und zur Versöhnung unter den Menschen. Versöhnung ist die Wurzel, aus der Frieden wächst wie ein Baum, in dessen Schatten die Menschen Verständnis füreinander und innere Zufriedenheit finden. Diese Botschaft möchte ich immer wieder als mahnende Erinnerung an die folgenden Generationen weitergeben.

©) Hans-Peter Meyer

Hintergrund: 
Den Autor Hans-Peter Meyer verbindet eine traurige Erinnerung an dieses schlimme Ereignis. Das ist ein Teil seiner Vita.
Bei dem Bombenangriff am 2. Februar 1945 kam – wie vorerwähnt - seine Großmutter Gertrud Kossmann geb. Hoffmann ums Leben.
Sein Großvater Franz Kossmann (verst. +1954) und seine Mutter Elisabeth Kossmann (später verheiratete Meyer) wurden verschüttet und konnten als einzige lebend gerettet werden. In Gesprächen mit seiner  im Dezember 1999 verstorbenen Mutter hat der Autor versucht, dieses traumatische Geschehen aufzuarbeiten und schriftlich für nachfolgende Generationen festzuhalten. Möge die örtliche Gemeinde
dazu beitragen,dass die Gedenkstätten als mahnende Erinnerung weiter erhalten und gepflegt werden.

Hans-Peter Meyer (Foto, Jahrgang 1950), in Niederadenau geboren und aufgewachsen, beschäftigte sich auch mit den zum  Teil traurigen Abschnitten der Geschichte seines Heimatortes.  Seit einigen Jahren lebt er in Bad Ems.