Mittwoch, 12. Dezember 2018

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ICOM-TAGUNG IM LUDWIG MUSEM

ICOM-TAGUNG IM LUDWIG MUSEM ANLÄßLICH DES 100. JAHRESTAGES DER BEENDIGUNG DES ERSTEN WELTKRIEGES

Der Internationale Museumsrat ICOM Deutschland (International Council of Museums) nimmt das Jubiläum des Kriegsendes 1918 zum Anlass, Museen weltweit darin zu bestärken, sich weiterhin für Unabhängigkeit und Meinungsfreiheit einzusetzen und unbequeme Tatsachen nicht auszublenden: Im November 2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal. In ganz Europa gibt es unterschiedliche Erinnerungskulturen zu den Ursachen, dem Verlauf und dem Ausgang des Großen Krieges, der die Menschheit in entscheidendem Maße seitdem geprägt und verändert hat. Das hundertjährige Jubiläum wird daher in den einzelnen Ländern mit unterschiedlichen Akzenten begangen – manche davon sind zumeist optimistisch, andere dagegen distanziert bis desinteressiert. Im Vergleich mit dem allgemein großen Interesse für 1914, dem Jahr des Kriegsbeginns, zeigt sich besonders auf deutschem Gebiet das Interesse für das Jahr 1918, dem Kriegsende, als relativ zurückhaltend. Die Konferenz nahm sich dies zum Anl
ass, die unterschiedlichen Sichtweisen zu thematisieren und zu reflektieren. Dabei zeigte es sich, dass im Jahr 2018 die heutigen Generationen nicht mehr auf eigene Erfahrungen mit den Schrecken des Krieges zurückgreifen können. Den Museen kommt daher eine besondere Verantwortung zu, denn Erinnern bedeutet auch, sich für die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen zu sensibilisieren und gegen das Vergessen anzuarbeiten.

Insbesondere die musealen Sammlungen können bei entsprechender Erforschung und wissenschaftlicher Aufbereitung wichtige Erkenntnisse des Vergangenen liefern und facettenreiche und bislang unbekannte Aspekte in ein neues Licht rücken. Wie sich im Falle des hundertjährigen Jubiläums seit Ende des Ersten Weltkrieges gezeigt hat, können und müssen nachgewachsene Generationen die Kriegsereignisse, -ursachen und -folgen für sich selbst und eigenständig interpretieren. Neuer Trend des musealen Aufarbeitens von Kriegszeiten ist die partizipatorische Herangehensweise an individuelle Geschichten, Erfahrungen, Relikte. Wenn die Ereignisse möglichst multiperspektivisch wiedergegeben werden, können die Besucher ein lebendiges Verständnis für die unterschiedlichen Sparten und Zugangsweisen entwickeln, das sie letztendlich als authentisch und bereichernd empfinden werden. Dadurch entstehen ein enger Bezug zum Betrachter und eine Vergegenwärtigung in der Jetztzeit.

ICOM Deutschland und ICOM Europe stellten sich anlässlich des Symposiums im Ludwig Museum gemeinsam dieser international bedeutsamen Aufgabe. Die internationale Tagung in englischer Sprache „Museums, Borders and European Responsibility – 100 Years after World War I“ lud im Ludwig Museum Koblenz zahlreiche führende Forscher, Museologen und Museumsfachleute ein. Vertreter aus Australien, Kanada, USA, China, Italien, Großbritannien, Frankreich, Österreich und Deutschland traten in regen Austausch.

Begleitet wurde die Konferenz von einer Videobotschaft von Claudia Roth (Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages) sowie der Kulturdezernentin der Stadt Koblenz, Priv.-Doz. Dr. Margit Theis-Scholz.