Mittwoch, 27. März 2019

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Adventskonzerte der DekanatsKantorei Montabaur

RWWANSBACH-BAUMBACH / MONTABAUR. Als der „Vater der deutschen Musik“ wurde er bezeichnet – Heinrich SchĂŒtz, der große vorbachsche Komponist aus Mitteldeutschland. Und in der Tat genaß der geniale Tonschöpfer eine umfassend-international geprĂ€gte musikalische Ausbildung auf der Höhe seiner Zeit in Venedig, deren kĂŒnstlerische FrĂŒchte er im Laufe seines Lebens in Deutschland erntete und veredelte. Mit seiner fĂŒnfstimmigen Motette „Also hat Gott die Welt geliebt“ griff er die damals hochmoderne Klangsprache und den lebendigen Duktus des Madrigals auf, den die Dekanatskantorei Montabaur deklamierend und in agogischer Freiheit bei großer Intonationssicherheit umsetzte. Damit eröffnete der Kammerchor des Evangelischen Dekanates Westerwald sowohl in der Evangelischen Kirche von Ransbach-Baumbach, begleitet von Pfarrer Wolfgang Weik, als auch in der Evangelischen Lutherkirche Montabaur die diesjĂ€hrigen Adventskonzerte unter der bewĂ€hrten Leitung von Dekanatskantor Jens Schawaller. Mit der Kantate „Muss nicht der Mensch auf dieser Erden“ vom norddeutschen Barockkomponisten Nicolaus Bruhns brachte die Cappella Taboris als das Vokalensemble des Evangelischen Dekanates Westerwald ein kontrastreiches Werk historisch informiert zu Gehör: hierbei sangen Angelika Wies (Sopran), Monika SchlĂ¶ĂŸer (Alt), Hildegard Sthamer (Tenor) und Ingo Jungbluth (Bass) die anspruchsvollen Vokalsoli und EnsemblesĂ€tze. Inhaltlich steht in dieser Kantate das biblische Motiv der „GefĂ€hrdung und Bewahrung“ im Fokus des Textes, was sich in der Weihnachtshistorie konkret im Konflikt zwischen Herodes und dem neugeborenen Jesus widerspiegelt und im Kindermord von Bethlehem dramatisch seinen Höhepunkt erreicht. Im Orchester, das lebendig, rhythmisch sicher und frisch musizierte, wirkten Cornelia Heppner (Violine), Marie Hesse (Violine), Sophie Jungbluth (Viola da braccia), Anne-Rose Selbach (Viola da braccia), Nina van Someren (Violoncello), Gudula Marxsen (Kontrabass), Andrea Scheugenpflug (Blockflöte) und Lydia Neumann (Blockflöte); die Orgel spielte die bewĂ€hrte Organistin Susanne Schawaller. Sowohl in den TuttisĂ€tzen als auch in den kammermusikalisch besetzten Formteileilen war das Musizieren zwischen dem Instrumental- als auch dem Vokalklangkörper von großer Dialogfreude und KommunikationsfĂ€higkeit aller Beteiligten geprĂ€gt. Das große Kernwerk der beiden Konzertabende bildete die „Weihnachts-Historie“ von Heinrich SchĂŒtz, die in hoch kontrastreicher Disposition den Evangelienbericht dramatisch umsetzt: der Komponist deutet dabei den Textinhalt musikalisch genial aus und entwirft so mit den Stilmitteln der Oper seiner Zeit ein Gesamtkunstwerk. Als Soliloquenten wirkten hierbei neben den Ensemblemitgliedern der Cappella Taboris weiterhin Monika Bathon (Alt), Norbert Busch (Bass) und Michael MĂŒller (Bass) als Solisten. Die ausdrucksstarken Rezitative des Evangelisten sang Dekanatskantor Jens Schawaller (Tenor), die die Handlung des weihnachtlichen Geschehens tragen. Beschlossen wurden beide Konzertabende in den zwei WĂ€ller Kirchen mit einer Choralbearbeitung fĂŒr Chor und Orchester ĂŒber das Weihnachtslied „Nun singet und seid froh“, mit der die Dekanatskantorei Montabaur, die Cappella Taboris und das Orchester die Zuhörerinnen und Zuhörer in den Abend entließen. Die GĂ€ste dankten es allen Musikerinnen und Musikern mit einem krĂ€ftigen und langanhaltenden Applaus.

Foto: Rita Steindorf