Freitag, 05. Juni 2020

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Das romantische Leben als Gesamtkunstwerk

„Göttern und Menschen zum Troz“ präsentiert Klaus-Dieter Regenbrecht zu seinem 70. Geburtstag einen Roman über Caroline Schelling

Caroline Schelling (1763 bis 1809), geborene Michaelis, verwitwete Böhmer und geschiedene Schlegel, hatte ein faszinierendes Leben, in dem sie den Geistesgrößen ihrer Zeit begegnete, allen voran Goethe und Schiller. Aber auch Wilhelm und Alexander von Humboldt, August Wilhelm Schlegel, zeitweise ihr Ehemann, und dessen Bruder Friedrich spielen eine wichtige Rolle wie weiterhin Georg Forster, Ludwig Tieck und Novalis, Clemens und Bettine Brentano, Fichte und Herder.

Sie war eine der sogenannten Universitätsmamsellen, Töchter Göttinger Professoren, hochgebildet, auch wenn sie keine Universität besuchen durften;

Caroline sprach Italienisch, Französisch und Englisch. Ihre Lebensstationen nach der Kindheit in Göttingen sind Clausthal im Harz mit dem Ehemann Dr. Böhmer, nach dessen Tod Aufenthalt in Marburg bei einem Bruder, weiter nach Mainz, wo sie ein gutes Jahr lang die Mainzer Republik erlebte und mit einem jungen französischen Offizier eine „Glutnacht“ erlebte, die nicht ohne Folgen blieb. Auf ihrer Flucht aus Mainz wurde sie von preußischen Soldaten festgehalten und auf die Festung Königstein gebracht, wo sie mit ihrer Tochter Auguste drei Monate in Geiselhaft genommen wurde. Ihr Bruder und August Wilhelm Schlegel setzten sich beim preußischen König für sie ein und sie kam frei. Über Leipzig landete sie in Jena, wo sie mit ihrem Ehemann August Schlegel, dessen Bruder Friedrich und Partnerin Dorothea Veit die berühmte Jenaer Wohngemeinschaft bildete, die das Kernstück der Frühromantik wurde.

Nach ihrer Trennung von Schlegel und dem Tod ihrer Tochter heiratete sie den Philosophen Schelling und ging mit ihm nach Würzburg und München. Mit nur 46 Jahren Jahren starb sie in Maulbronn.

Caroline hat zwar den Versuch eines Romans unternommen, kam damit aber nicht weit, dennoch sind vor allem ihre Briefe ein großartiges Porträt eines ungewöhnlichen Lebens. Sie arbeitete nicht nur an dem Journal „Athenäum“ der Schlegel-Brüder mit, sondern half August Wilhelm auch bei seinen ShakespeareÜbersetzungen, die zeitlose Gültigkeit haben. Die Frühromantiker um die SchlegelBrüder strebten nach Ganzheitlichkeit und wollten das Leben mit der Kunst versöhnen, so besehen ist Carolines Leben ein romantisches Gesamtkunstwerk. Vor allem war es ein selbstbestimmtes Leben, das Caroline über die Konventionen spießiger Moral oder öffentlicher Anerkennung hinaus glückte.

KD Regenbrecht hat den Roman über Caroline Schelling „mit zahlreichen freien Adaptionen und Modificirungen historischer Quellen“ versehen, weil er, wie er sagt, „die Zeit weder glorifizieren noch mit ironischer Distanz aus heutiger Sicht präsentieren“ wollte; „deshalb habe ich auch die Passagen, die keine Zitate sind, in Sprache und Orthografie der damaligen Zeit angepasst.“

Zusammen mit den beiden 2019 erschienenen Büchern, „Ein Mythos wird vermessen – Rhein, Romantik und neue Raumerfahrung“ und dem Roman „Die selige Verzückung absehbarer Enttäuschung“, sei seine Romantik-Trilogie rund 1000 Seiten stark und, so der Autor, „sicher einzigartig im fast unüberschaubaren Meer der Veröffentlichungen, die sich mit der Romantik befassen.“ Durch die sowohl essayistische, wissenschaftliche als auch literarisch fiktive Bearbeitung auf verschiedenen Zeitebenen hofft Regenbrecht der aufregenden Epoche der Romantik, die ohnehin eine Renaissance erlebt, umfassend gerecht zu werden.

„Göttern und Menschen zum Troz will ich glücklich seyn – also keiner Bitterkeit Raum geben, die mich quält, ich will nur meine Gewalt in ihr fühlen.“ So das vollständige Zitat aus einem Brief Carolines, das sehr gut auch zu Regenbrechts 70. Geburtstag am 29. April passt. Seit über 40 Jahren schreibt er hauptsächlich Romane und Erzählungen und hat seit 1985 seinen eigenen Verlag, den Tabu Litu Verlag. Auch wenn seine Bücher nicht in den Bestseller-Listen auftauchen, schon das literarische Großwerk „Tabu Litu – ein documentum fragmentum in neun Büchern“, das von 1985 bis 1999 erschien, ist zum Beispiel in den U.S.A. in wichtigen Bibliotheken, der New York Public Library oder der UC Berkeley Library, zu finden. „Ein Mythos wird vermessen – Rhein, Romantik und neue Raumerfahrung“ (2019), mit dem die Romantik-Trilogie ihren Anfang nahm, ist ebenso in zahlreichen Universitätsbibliotheken von Kiel bis nach München und Zürich vorhanden. 2017 legte der Autor mit „Paradise with Black Spots and Bruises – Stories, Pictures and Thoughts of a Lifetime“ seine Autobiografie in englischer Sprache vor.

Klaus-Dieter Regenbrecht: Göttern und Menschen zu Troz – ein Roman  mit zahlreichen freien Adaptionen und Modificirungen historischer Quellen, Koblenz 2020, ISBN 978-3925805

Ein Mythos wird vermessen – Rhein, Romantik und neue Raumerfahrung, 412 Seiten, 24,90 Euro: 978-3-925805-91-2 print, 9,99 Euro: 978-3-925805-88-2 ebook

Die selige Verzückung absehbarer Enttäuschung, Roman, 200 Seiten mit vielen farbigen Fotos und Illustrationen, ISBN 978-3925805790, 12 Euro, auch als ebook

18.- 22. März 2020: Buchmesse Leipzig mit dem Tabu Litu Verlag und KD Regenbrecht.

29. April 2020: „Göttern und Menschen zum Troz“ erscheint.

16. August 2020: „Ein Mythos wird vermessen – Rhein, Romantik und neue Raumerfahrung“, Lesung und Präsentation im Brentano-Haus in Oestrich-Winkel, 17 Uhr mit KD Regenbrecht.

14. Oktober – 18. Oktober 2020 Frankfurter Buchmesse mit dem Tabu Litu Verlag und KD Regenbrecht. Präsentation: Das romantische Leben als Gesamtkunstwerk „Göttern und Menschen zum Troz“.

Weitere Termine in Planung.