Dienstag, 24. November 2020

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Auch Friedhöfe müssen sich gesellschaftlicher Realität anpassen

Anlässlich des Tags des Friedhofs am 20. September 2020 fordert die Deutsche Friedhofsgesellschaft von Lokalpolitik und Verwaltungen mehr langfristiges Denken. Den Bürgerinnen und Bürgern immer höhere Friedhofsgebühren zuzumuten, könne auf Dauer keine Lösung sein. An grundlegenden Veränderungen auf vielen Friedhöfen führe letztendlich kein Weg mehr vorbei.

Nach Einschätzung von Karl-Heinz Könsgen, Geschäftsführer der Deutschen Friedhofsgesellschaft, haben bundesweit nahezu alle Kommunen erhebliche Probleme, Friedhöfe zu betreiben: „Vielerorts wurden die Friedhofsgebühren derart massiv erhöht, dass Menschen auf überregional ausgerichtete Friedhöfe ausweichen,“ so Könsgen. Das wiederum führt zu einem Teufelskreis, da Friedhöfe sich aus den Einnahmen finanzieren müssen und deshalb die Gebühren noch weiter erhöht werden.

Leider führt die angespannte finanzielle Situation in manchen Kommunen dazu, dass eine gewisse Kreativität bei Kostenpositionen entsteht. „Wir raten Angehörigen immer, sich alle Gebühren und Kosten vorab bestätigen zu lassen“, sagt Könsgen. Man müsse dabei nicht nur an die Friedhofsgebühren und die Gebühren für die Nutzung der Trauerhalle denken. Es gibt weitere Gebühren, die anfallen können - nicht müssen. So lassen sich manche Gemeinden die Aufbewahrung von Sarg oder Urne bezahlen, verlangen Gebühren für das Öffnen und Schließen des Grabes oder berechnen am Ende der Grablaufzeit Gebühren für das Abräumen der Grabstätte. Eine weitere nicht zu vernachlässigende Kostenposition ist die gärtnerische Pflege des Grabes.

Konzepte wie Bestattungswälder oder pflegefreie Grabanlagen genießen nach Überzeugung von Könsgen auch deshalb einen so großen Zuspruch, weil sie preislich überschaubar sind und keine zusätzlichen Kosten für die Grabgestaltung und Pflege anfallen.

Viele Friedhöfe können aus Sicht der Deutschen Friedhofsgesellschaft gar nicht mehr wirtschaftlich vertretbar geführt werden. Allein die Gebührenschraube für Gräber immer weiter anzudrehen könne keine Lösung sein: „Wenn Angehörige für ein Rasengrab einmalig 200 Euro zahlen und das gleiche Grab andernorts über 1.500 € kostet, dann ist das nicht mehr vermittelbar“, sagt Könsgen. „Wir brauchen mutige Lokalpolitiker, die die unbequeme Wahrheit aussprechen, dass mancher Friedhof verändert oder geschlossen werden muss.“

Manche Friedhöfe könnte man nach Auffassung der Deutschen Friedhofsgesellschaft vor der Schließung bewahren. In den ländlichen Gebieten kümmern sich beispielsweise Heimatvereine ehrenamtlich um den Erhalt der Ortsfriedhöfe. Größere Gemeinden verändern Teile ihrer Friedhöfe in Parks, wie kürzlich für den Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beschlossen.

Die Zeiten, in denen lokale Friedhöfe Auskunft über viele Generationen des Ortes gaben, sind für Könsgen vorbei: „Die Realität ist, dass die Gräber aus den 1990er Jahren heute meist schon eingeebnet sind. Friedhöfe mit großen Grabmalen, wie auf dem Melaten Friedhof in Köln, bleiben die historische Ausnahme.“