Freitag, 22. Oktober 2021

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Historische Nachbarschaften im Mittelrheintal

Antrag zum immateriellen Kulturerbe wird vorbereitet

Historische Nachbarschaften sind in vielen Orten des Mittelrheintals über mehrere Jahrhunderte als Ausdruck des sozialen Zusammenlebens und Zusammenhalts erhalten geblieben. Mit eigenen Grenzen, Strukturen, Regeln und Feierlichkeiten prägen sie jenseits staatlicher Aufgaben die Gemeinschaft in ihren Orten - bis heute. Mit einer Aufnahme der historischen Nachbarschaften des Mittelrheintals in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO soll diese einzigartige Form des sozialen und kulturellen Miteinanders gewürdigt und gleichzeitig neue Impulse für deren zukünftige Entwicklung gegeben werden.

Das Institut für geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. wird die Historischen Nachbarschaften des Mittelrheintals erstmals als Forschungsgegenstand genauer untersuchen und die Nachbarschaften selbst dabei unterstützen, den Antrag zur Aufnahme in die Liste der Immateriellen Kulturerbes der UNESCO zu stellen. "Ich bin froh, dass wir mit dem Mainzer Institut einen so renommierten Kooperationspartner zur weiteren Erforschung der Nachbarschaften gewinnen konnten", freut sich der Bopparder Heimatkundler Jürgen Johann. Johann war es, der das Potenzial der Historischen Nachbarschaften für die Anerkennung zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO erkannte und die Idee den Vertretern der Nachbarschaften erstmals bei einem gemeinsamen Termin in Boppard im letzten Jahr präsentierte. Das Interesse bei den Nachbarschaften war groß und so soll in diesem Jahr der Antrag zur Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes vorbereitet werden.

Unterstützung erhalten die Nachbarschaften zwischen Andernach und Bingen vom Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal. Dazu Verbandsvorsteher Frank Puchtler, Landrat des Rhein-Lahn-Kreises: "Die historischen Nachbarschaften sind eine einmalige und uralte Form des sozialen Miteinanders. In der aktuellen Lage der Corona-Pandemie kommt die Bedeutung der Nachbarschaften sehr deutlich zum Tragen. Daher begleiten wir gerne die Initiative mit Rat und Tat". Durch die Pandemie konnten letztlich auch die weiteren geplanten Vernetzungstreffen der Nachbarschaften im letzten Jahr nicht stattfinden. Gemeinsam mit dem Institut für geschichtliche Landeskunde der Universität Mainz und dem Institutsleiter Dr. Kai-Uwe Sprenger werden aktuell Beteiligungs- und Informationsformate entwickelt, um die zahlreichen Nachbarschaften eng in den Antragsprozess einzubinden. Ein zentraler Baustein wird dabei die gemeinsame Internetseite www.historische-nachbarschaften.de sein, auf der über den aktuellen Stand der Forschung sowie des Antragsverfahrens informiert wird. Außerdem werden in den nächsten Wochen alle Nachbarschaften einen Fragebogen erhalten, um wissenschaftlich mehr über die historischen Nachbarschaften zu erfahren.

Neben dem „klassischen“ Welterbe-Programm ist das immaterielle Kulturerbe ein weiterer Baustein der UNESCO zur Erhaltung der kulturellen Vielfalt weltweit. Ob Tanz, Theater, Musik, Bräuche, Feste oder Handwerkskünste – Immaterielles Kulturerbe ist lebendig und wird von menschlichem Wissen und Können getragen. Es ist Ausdruck von Kreativität, vermittelt Kontinuität und Identität, prägt das gesellschaftliche Zusammenleben und leistet einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Begleitet wird die Antragsstellung der Historischen Nachbarschaften durch Frau Dr. Andrea Stockhammer, die im rheinland-pfälzischen Kultusministerium für die Liste des immateriellen Kulturerbes zuständig ist. Bis November muss das Antragsformular eingereicht sein. Mit einer Entscheidung ist dann im Jahr 2022 zu rechnen.

Fotos: Archiv Jürgen Johann