Montag, 25. März 2019

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Kfz-Gewerbe: Bilanz und Ausblick zum Jahreswechsel

Autofahrer und Kfz-Gewerbe stecken im Diesel-Dilemma

Diesel-Diskussion und kein Ende. Besonders in BallungsrĂ€umen ist die Unsicherheit der Autofahrer groß: Darf ich noch in die StĂ€dte einfahren oder nicht? Ab wann gilt wo welches Verbot? Der Flickenteppich von Fahrverbotszonen fĂŒr Ă€ltere Diesel-Fahrzeuge wird grĂ¶ĂŸer und immer unĂŒbersichtlicher.

Das schlĂ€gt bis auf die Kfz-Betriebe durch. Denn auch AutohĂ€user und WerkstĂ€tten liegen in Fahrverbotszonen. Was machen die Kunden, wenn sie ihr Ă€lteres Diesel-Fahrzeug nicht mehr zum Service bringen können? Und was macht der HĂ€ndler, wenn seine UmsĂ€tze zurĂŒckgehen, weil er zum Beispiel Euro 5-Diesel nicht mehr verkaufen kann?

„Der Automobilhandel leidet nach wie vor unter der Diesel-Krise, und zwar durch Leasing-RĂŒcklĂ€ufer sowie Euro 5-Standfahrzeuge, die sich nur schwer verkaufen lassen“, sagt Obermeister JĂŒrgen Rutkowski. Außerdem hat der neue WLTP-Standard fĂŒr die Abgasmessung im August fĂŒr Chaos gesorgt. Denn ab dem 1. September 2018 mĂŒssen fĂŒr alle neu zugelassenen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge die nach dem WLTP-Verfahren gemessenen Abgas- und Verbrauchswerte vorliegen. FĂŒr viele tausend Bestandsfahrzeuge bei den Herstellern und HĂ€ndlern traf das nicht zu. Um sie ĂŒberhaupt noch verkaufen zu können, mussten sie bis Ende August zugelassen werden. Das fĂŒhrte bei vielen Modellen zu einem Überangebot und setzte die Preise unter Druck. „DarĂŒber hinaus haben teilweise stark nachgefragte Fahrzeuge aufgrund fehlender WLTP-Zulassung zurzeit extrem lange Lieferzeiten“, so Obermeister JĂŒrgen Rutkowski.

All das fĂŒhre zu einer Situation, die es im Kraftfahrzeuggewerbe in dieser AusprĂ€gung bisher nicht gegeben habe. „Um die Lage fĂŒr Halter von Euro 5-Dieselfahrzeugen nachhaltig zu verbessern setzen wir uns fĂŒr die Hardware-NachrĂŒstung dieser Fahrzeuge ein“, so Obermeister Rutkowski. „Die dafĂŒr notwendige und vom Bundesverkehrsministerium angekĂŒndigte rechtlich verbindliche Verordnung muss jetzt zĂŒgig kommen. Das ist gut fĂŒr die Umwelt, trĂ€gt zum Werterhalt Ă€lterer Diesel-Fahrzeuge bei und bringt freie Fahrt in die Verbotszonen.“

Das kommende Auto-Jahr sieht Obermeister JĂŒrgen Rutkowski durchaus zwiespĂ€ltig. Beim Verkauf von Neufahrzeugen werde es nach EinschĂ€tzung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) eine kleine Delle in der Wachstumskurve geben. „Wir rechnen mit rund 3,43 Millionen Neuzulassungen, wobei vor allem der Privatmarkt Federn lassen wird“, so Obermeister JĂŒrgen Rutkowski. Auch der Handel mit Gebrauchtwagen werde unter dem DieselDilemma leiden. Einzig fĂŒr das Reparatur- und ServicegeschĂ€ft seien die Aussichten nach Meinung von Obermeister JĂŒrgen Rutkowski auch fĂŒr 2019 stabil.

Nach wie vor hoch attraktiv ist fĂŒr junge Menschen ein Ausbildungsplatz im Kfz-Gewerbe. Das zeigt sich auch in der Kfz-Innung Unterlahn. „Zum neuen Ausbildungsjahr haben 38 junge MĂ€nner und Frauen ihre technische oder kaufmĂ€nnische Ausbildung in den hiesigen AutohĂ€usern und WerkstĂ€tten begonnen“, so Obermeister JĂŒrgen Rutkowski. „Auch in Zeiten von Fahrverbotszonen und Diskussionen um den Diesel hat das Automobil offenbar nichts von seiner Faszination verloren.“ In Deutschland bilden die rund 38 000 Kfz-Meisterbetriebe ĂŒber 90 000 junge Menschen aus. Im Jahr 2018 war die Zahl der neu abgeschlossenen AusbildungsvertrĂ€ge im Kfz-Gewerbe bundesweit im vierten Jahr in Folge angestiegen.