Dienstag, 24. November 2020

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Bedenkliche Einkommensentwicklung in der Landwirtschaft

Landwirte fordern Lebensmittelhandel auf, endlich zu handeln!

Koblenz. Die Dürre der letzten Jahre, die Afrikanische Schweinepest in Brandenburg und Sachsen, stetig steigende Auflagen und ein preisdrückender Lebensmitteleinzelhandel (LEH) machen den bäuerlichen Familienbetrieben zurzeit das Leben schwer. So liegen beispielsweise die Erzeugerpreise bei Schweinefleisch um circa 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau, der Preis für Ferkel hat sich in dieser Zeit sogar mehr als halbiert. Nun hat der Discounter Aldi eine Preissenkung bei Trinkmilch von zwei Cent durchgesetzt. Aldi hat im Frühjahr den Trinkmilchpreis um zwei Cent pro Liter angehoben. Dem sind die anderen Discounter nicht gefolgt und deshalb sah man sich bei Aldi nun gezwungen, die seinerzeitige Anhebung wieder zurückzunehmen.

„Ich erwarte mir von verantwortlichen Managern, dass sie sich nicht nur Gedanken über die Zukunft ihrer Unternehmen, sondern auch unseres Landes – und damit auch über die Bauern und Winzer – machen. Wir erwarten verantwortliches Handeln und es ist traurig und beschämend, wenn dies nicht geschieht“, betont der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper. Bei nur wenigen Lebensmittelketten in Deutschland könne die Preisentwicklung nicht alleine auf die Wechselwirkung von Angebot und Nachfrage geschoben werden. Es sei dringend geboten, dass der LEH die heimischen Lebensmittelerzeuger, nämlich die Bäuerinnen und Bauern und deren Betriebe, unterstützt und auskömmliche Preise zahlt. Moderate Preiserhöhungen würde der Verbraucher durchaus akzeptieren, so Horper. Allerdings müssten alle Lebensmittelketten nachziehen. Ein Preiskampf auf dem Rücken der Bauern biete keine Perspektiven.

Horper: „Ich bin es leid, an die soziale Verantwortung der Entscheidungsträger in Politik und Handel zu appellieren. Wer immer noch nicht versteht, dass es in vielen Bereichen der Landwirtschaft längst nicht mehr fünf vor zwölf ist, der verschließt die Augen vor der Realität. Die immerwährenden Preiskämpfe im LEH müssen endlich ein Ende finden, denn schließlich möchte der Verbraucher nicht nur qualitativ hochwertige Nahrungsmittel, sondern auch regionale Produkte. Wie soll er diesen Wunsch künftig noch befriedigen können, wenn der LEH genau diese Strukturen zerstört? Eine preispolitische Umkehr ist dringend erforderlich.“