Sonntag, 28. Februar 2021

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Von 2008 bis 2018 kräftiger Beschäftigungszuwachs im Gesundheitswesen

Innerhalb einer Dekade ist der Personalbestand im rheinland-pfälzischen Gesundheitswesen kräftig gestiegen. Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems auf Basis der Gesundheitspersonalrechnung (GPR) mitteilt, erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten von 2008 bis 2018 um 39.000 beziehungsweise 17 Prozent auf 263.300. Bundesweit fiel der Zuwachs mit plus 22 Prozent etwas stärker aus.

Ein Großteil des rheinland-pfälzischen Gesundheitspersonals arbeitete 2018 in ambulanten (41 Prozent) sowie in stationären und teilstationären Einrichtungen (35 Prozent). Jeder zehnte Beschäftigte war in sogenannten Vorleistungseinrichtungen wie beispielsweise der pharmazeutischen Industrie tätig. Das übrige Gesundheitspersonal verteilte sich auf die Verwaltung, die Rettungsdienste, den Gesundheitsschutz und die sonstigen Einrichtungen.

Im Zeitraum von 2008 bis 2018 haben sich die Beschäftigtenzahlen der einzelnen Einrichtungsarten sehr unterschiedlich entwickelt. Die meisten zusätzlichen Arbeitsplätze entstanden in ambulanten Einrichtungen (plus 16.200). Einen großen Anteil daran hatten die Praxen sonstiger medizinischer Berufe, deren Beschäftigtenzahl sich um 7.800 erhöhte. Dazu gehören zum Beispiel physio- und ergotherapeutische Praxen sowie die Praxen von Psychotherapeutinnen und -therapeuten oder Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern. Auch in der ambulanten Pflege wurde 2018 wesentlich mehr Personal eingesetzt als 2008 (plus 5.400). In den Apotheken arbeiteten 2018 hingegen rund 1.400 Beschäftigte weniger als 2008.

In den stationären und teilstationären Einrichtungen stieg die Zahl der Beschäftigten um insgesamt 11.000. Einem starken Zuwachs in der stationären und teilstationären Pflege (plus 6.900) sowie in den Krankenhäusern (plus 4.700) stand ein Rückgang in den Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen um 600 Beschäftigte gegenüber.

Weitere 2.900 Beschäftigungsverhältnisse kamen in den Vorleistungseinrichtungen hinzu. Der Personalbestand beim Rettungsdienst vergrößerte sich ebenfalls (plus 1.400). Gleiches gilt für die Verwaltung im Gesundheitswesen (plus 1.300), während die Beschäftigtenzahl im Gesundheitsschutz, zu dem unter anderem die Gesundheitsämter und die Lebensmittelkontrolle gehören, stagnierte. In den sonstigen Einrichtungen, die sich keiner der genannten Kategorien zuordnen lassen, entstanden weitere 6.200 Arbeitsplätze.

Charakteristisch für das Gesundheitswesen ist der hohe Frauenanteil. Bereits 2008 waren mit 76 Prozent drei Viertel des Gesundheitspersonals in Rheinland-Pfalz Frauen. Bis 2018 blieb dieser Anteil relativ stabil. Die höchsten weiblichen Beschäftigungsanteile wiesen die ambulanten Einrichtungen (83 Prozent) sowie die stationären und teilstationären Einrichtungen (80 Prozent) auf. Anteilig am wenigsten Frauen arbeiteten beim Rettungsdienst (33 Prozent) und in Vorleistungseinrichtungen (48 Prozent).

Hinweis zu Pressemitteilungen mit Daten vor Corona

Das Statistische Landesamt veröffentlicht jährlich mehr als 200 Pressemitteilungen, die ein umfassendes Bild der Strukturen und Entwicklungen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft liefern. Die Veröffentlichung der Zahlen erfolgt mit einigem zeitlichen Abstand zum Berichtszeitraum; denn das Einsammeln der Daten und ihre sorgfältige Aufbereitung nach wissenschaftlichen Grundsätzen kosten Zeit. Deshalb wird im Moment noch über Strukturen und Entwicklungen berichtet, die vor dem Beginn der Corona-Pandemie liegen. Das scheint in einer Situation, in der sich nahezu alle Lebensbereiche tiefgreifend verändern, befremdlich. Diese Zahlen haben jedoch eine wichtige Funktion; sie bilden die Grundlage für die Bewertung der Auswirkungen von Corona in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Deshalb veröffentlicht das Statistische Landesamt Pressemitteilungen mit Vor-Krisen-Ergebnissen.

Die Ergebnisse werden von der Arbeitsgruppe „Gesundheitsökonomische Gesamtrechnungen der Länder“ (AG GGRdL) berechnet. Die Gesundheitspersonalrechnung (GPR) wird für die Länder seit dem Berichtsjahr 2008 nach einheitlicher Methode durchgeführt. Die GPR weist die Zahl der Beschäftigten aus, gegliedert nach den verschiedenen Einrichtungen des Gesundheitswesens. Im Rahmen der GPR werden Beschäftigte insgesamt, weibliche Beschäftigte und Vollzeitäquivalente berechnet. Unter Beschäftigten versteht die GPR Beschäftigungsverhältnisse. Somit werden Personen mit mehreren Arbeitsverhältnissen im Gesundheitswesen mehrfach gezählt. Das ist eine andere methodische Vorgehensweise als in der Erwerbstätigenrechnung. Dort werden Personen mit ihrer überwiegenden Tätigkeit nur einmal gezählt.
Das Gesundheitswesen ist gemäß SHA (System of Health Accounts) definiert. Es ist nicht identisch mit Abteilung 86 der aktuellen Wirtschaftszweigklassifikation WZ 2008.

Autor: Moritz Hohlstein (Referat Analysen Wirtschaft)