Montag, 27. September 2021

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Inflationsrate stieg im August weiter an

Im August 2021 lag der Verbraucherpreisindex für Rheinland-Pfalz nach Angaben des Statistischen Landesamtes um 4,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Teuerungsrate fiel damit höher aus als im Juli 2021, als sie bei plus 3,7 Prozent lag. Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1995.

Ursächlich für die hohen Inflationsraten seit Juli 2021 dürften im Wesentlichen die niedrigen Preise im Jahr 2020 sein. So trugen insbesondere die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze (Juli bis Dezember 2020) und das niedrige Preisniveau der Mineralölprodukte im vergangenen Jahr zu einer Erhöhung der Gesamtteuerung bei. Hinzu kommen Preisanstiege im ersten Halbjahr 2021, unter anderem durch die Einführung der CO2-Bepreisung (ab Januar 2021) und krisenbedingte Effekte wie eingeschränkte Angebote (z. B. bei Reisen), der Nachholbedarf bei bestimmten Gütern (z. B. in der Gastronomie) oder die enormen Preiserhöhungen auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen (steigende Erzeugerpreise).

Veränderungen gegenüber August 2020

Die Energiepreise erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr um 12,4 Prozent. Dies ist auf kräftige Preissteigerungen bei Mineralölprodukten zurückzuführen (plus 29,4 Prozent): Sowohl für Kraftstoffe als auch für Heizöl (einschließlich Umlage) mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich tiefer in die Tasche greifen (beide plus 25 Prozent). Die Preise für Gas (einschließlich Umlage) und Strom zogen ebenfalls merklich an (plus 5,0 bzw. 2,4 Prozent). Die Preise für Fernwärme legten um 0,8 Prozent zu.

Im Vergleich zum August des Vorjahres verteuerten sich Nahrungsmittel um 5,0 Prozent. Starke Preiserhöhungen gab es bei Gemüse (plus 11,6 Prozent). So waren Kartoffeln um 42 und Tomaten um 7,9 Prozent teurer als im August 2020. Für Molkereiprodukte und Eier musste ebenfalls wesentlich mehr bezahlt werden als ein Jahr zuvor (plus 5,8 Prozent; darunter Schnittkäse plus 7,2 Prozent). Die niedrigsten Preisanstiege waren bei Obst zu beobachten (plus 2,0 Prozent); Äpfel wurden sogar um 2,4 Prozent günstiger.

Die Teuerungsrate ohne Nahrungsmittel und Energie, die auch als Kerninflationsrate bezeichnet wird, belief sich auf plus 2,9 Prozent. Im Juli 2021 betrug sie 2,6 Prozent.

In allen zwölf Abteilungen stieg das Preisniveau binnen Jahresfrist. Aufgrund der Steigerung der Kraftstoffpreise waren starke Zuwächse im Bereich „Verkehr“ zu verzeichnen (plus 9,8 Prozent). Auch die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke erhöhten sich deutlich (plus 5,0 Prozent). Die geringsten Preissteigerungen gab es bei Waren und Dienstleistungen im Bereich „Gesundheit“ (plus 0,6 Prozent).

Veränderungen gegenüber Juli 2021

Der Verbraucherpreisindex lag im August 2021 um 0,1 Prozent über dem Niveau des Vormonats. Am höchsten waren die Preissteigerungen in der Abteilung „Andere Waren und Dienstleistungen“ (plus 0,8 Prozent). Zu diesem Bereich gehören unter anderem Dienstleistungen sozialer Einrichtungen wie die ambulante und stationäre Pflege. An zweiter Stelle folgte der Bereich „Verkehr“ mit einem Plus von 0,5 Prozent. In den Abteilungen „Bekleidung und Schuhe“ sowie „Freizeit, Unterhaltung und Kultur“ sanken die Preise jeweils um 0,4 Prozent. Alkoholische Getränke und Tabakwaren waren um 0,1 Prozent günstiger als im Vormonat. In den Bereichen „Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe“ sowie „Gesundheit“ blieben die Preise im Durchschnitt konstant.

Die Veränderung des Verbraucherpreisindexes (VPI) misst die durchschnittliche Preisveränderung der Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten für Konsumzwecke gekauft werden. Rund um die Monatsmitte erheben in 11 rheinland-pfälzischen Berichtsgemeinden 18 Preisermittlerinnen bzw. Preisermittler im Auftrag des Statistischen Landesamtes in mehr als 2.000 Berichtsstellen (z. B. Kaufhäuser) rund 20.000 Einzelpreise. Dabei werden die Preise von 650 genau beschriebenen Waren und Dienstleistungen erfasst. Die Preisveränderungen werden gemäß der Verbrauchsbedeutung, die den Waren und Dienstleistungen bei den Ausgaben der privaten Haushalte (sogenannte Wägungsschema) zukommt, im Preisindex berücksichtigt. Die Veränderung des VPI gegenüber dem Vorjahresmonat beziehungsweise dem Vorjahr wird umgangssprachlich auch als Inflationsrate bezeichnet.
Neben dem VPI dienen Kerninflationsraten als ergänzende Kennzahlen zur Beurteilung der Geldwertentwicklung. Sie geben an, wie sich die Verbraucherpreise entwickeln, wenn bestimmte Güter des Warenkorbs nicht mit eingerechnet werden. Das sind zumeist Güter mit erfahrungsgemäß stark schwankenden Preisen. In dieser Pressemitteilung wird die Veränderung des Gesamtindexes ohne Nahrungsmittel und Energie als Kerninflationsrate bezeichnet.
Im August kam es bei der Erhebung der Verbraucherpreise zu keinen wesentlichen Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise und den damit zusammenhängenden Maßnahmen.
Die Pressemitteilung zum Berichtsmonat August 2021 enthält vorläufige Ergebnisse. Sofern bis zum 6. September 2021 keine Korrektur erscheint, sind die veröffentlichten Ergebnisse als endgültig anzusehen.

Autorin: Dr. Melanie Nofz (Referat Unternehmensregister, Verdienste, Preise)